Metzgerei Schnitzel e.V. – ein kurzer Rückblick von damals bis heute

Ins Leben gerufen wurde der Metzgerei Schnitzel e.V. im August 2001 von den Celluloid Suckers, die ihrerzeit Underground-Kinonächte in Düsseldorf organisierten. Die Celluloid Suckers sind aus der Punkkonzertgruppe Blurr Concerts unter Carsten Johannisbauer hervorgegangen, die fünf Jahre lang Konzerte in Neuss veranstalteten. Mit dem Verein wollten sie (Künstler und Musiker) die Möglichkeit schaffen, ihre unkommerzielle und kritische Haltung gegenüber dem öffentlichen Kulturbetrieb in die Tat umzusetzen und “freie Kunst” zu betreiben, ohne anderen Maßstäben als den eigenen verpflichtet zu sein. Zweck des Vereins war und ist die Förderung junger Kunst. Schwerpunkt der Arbeit des Vereins wird sein, neue und innovative Ausstellungen und Projekte zu unterstützen und zu organisieren, die im konventionellen Ausstellungsbetrieb wenig Möglichkeiten zur Realisierung haben, und damit unterrepräsentierte Künstler zu zeigen. Metzgerei Schnitzel Kunstverein e.V. hat das Ziel, den Austausch unter Künstlern stärker anzuregen und dadurch ein experimentelles und nicht-kommerzielles Feld zu erschließen. Carsten Johannisbauer war neun Jahre lang Vorsitzender des Metzgerei Schnitzel e.V. 2009/2010 erfolgte ein Generationswechsel unter Sven Linnert und Sebastian Kalitzki, die mit neuem Vorstand stolz das Vermächtnis der Gründungseltern weiter fortsetzten und gleichzeitig neuen Wind in das Vereinsheim Brause brachten.

Mit Stefan Honig (Förderpreisträger der Stadt Düsseldorf 2012 als bester Nachwuchskünstler in der Kategorie Musik) fand man einen sehr guten Freund, einen beeindruckenden Musiker, ein sehr aktives Mitglied und außergewöhnliches Organisationstalent, das die Reihe „Brause Akustisch“ in Düsseldorf und über die Stadtgrenzen hinaus etablierte. In diesem Rahmen sind regelmäßig Künstler aus Düsseldorf, Deutschland und aus der ganzen Welt im Vereinsheim akustisch zu hören und zu sehen.

Zeitgleich riefen Sebastian Kalitzki und Sven Linnert das Kollektiv Konsolenkinder ins Leben, Wie kommt die Kunst ins Spiel? Und wie das Spiel in die Kunst? Dies demonstriert einmal im Monat das Düsseldorfer Künstlerkollektiv „Konsolenkinder“ in der Brause. Die Konsolenkinder setzen sich aus bildenden Künstlern, Videokünstlern und elektronischen Musikern zusammen, die regelmäßig themenorientierte Veranstaltungen zum Thema „Videospiel-Ästhetik“ präsentieren. Diese interaktiven Ausstellungen tragen den Namen „Games People Play …“ und setzen jedes Mal neue unterschiedliche, thematische Schwerpunkte. Zwischen wechselnden Installationen, Pixelart-Ausstellungen, musikalische Chiptunes-Live-Darbietungen stehen im Zentrum der jeweiligen Veranstaltungen klassische Videospielkonsolen aus den letzten 40 Jahren, die von den Besuchern (die dafür aus ganz NRW angereist kommen) bespielt werden können. Mit diesem Projekt wurde der Metzgerei Schnitzel e.V. zur St. Petersburger Nacht der Museen in das Artcenter Pushkinskaja 10 eingeladen, das mit dem Verein Metzgerei Schnitzel e.V. seit Frühjahr letzten Jahres eine Freundschaft und Partnerschaft pflegt, die über die tatkräftige Unterstützung des Düsseldorfer Vereins „bunt international e.V.“ zustande kam.

Mit dem interkulturellen Verein zur Förderung osteuropäischer Kultur „bunt international e.V.“ realisiert der Metzgerei Schnitzel e.V. seit 2012 gemeinsame Projekte, die den Austausch und die Förderung einheimischer wie auch russischer Künstler zum Ziel hat. Somit wurde mit Unterstützung der djoNRW im letzten Jahr die Reihe „Leto“ (zu deutsch Sommer) realisiert, in der russische Künstler, Journalisten, Schauspieler die Off-Szene aus St. Petersburg präsentierten und zudem über aktuelle politische Ereignisse referierten. Die Reihe kann als interkultureller Erfolg verbucht werden, der Anklang und das Feedback bei den vielen Brause-Besuchern war durchweg positiv, sodass weitere gemeinsame Projekte entstanden und nach wie vor realisiert werden.

Seit drei Jahren präsentiert Sebastian Kalitzki darüber hinaus einmal im Jahr eine Street-Art-Ausstellung „World of …“, zu der Street-Art-Künstler aus der ganzen Welt eingeladen werden, ihre Werke in die Brause zu senden, die dann großflächig im Vereinsheim zu bestaunen sind. Im letzten Jahr war das Motto „World of Paste-Ups“. Eine Ausstellung bei der über 50 Street-Art-Künstler aus der ganzen Welt teilnahmen und ihre Werke einreichten. Einen Teil der Ausstellung konnte man später noch auf der Litfaßsäule vor dem Haus Spilles in Düsseldorf sehen.

Ferner wurde Sebastian Kalitzki (den man auch unter seinem Künstlernamen Bartotainment kennt) im Frühjahr 2013 mit dem Förderpreis „GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG NRW DÜSSELDORF 2012“ im Museum Kunstpalast Düsseldorf ausgezeichnet

2013 wurde der künstlerische Anspruch neben Street-Art auch auf die Fotokunst ausgeweitet. Zuletzt konnten ca. 1.000 Besucher auf 30 Quadratmeter ein Fotoarchiv (mit 40.000 Bildern) bewundern, das vier Dekaden Fotografie in einer interaktiven Ausstellung präsentierte. Mit „retrospektif präsentiert den Friedhof der Fotos“ wurden von Februar bis März 2013 die Besucher aufgefordert, nicht nur die Werke an der Wand zu betrachten, sondern jenen ausgestellten Fotos ein neues Zuhause zu geben. Um jene bildhaften Erinnerungsstücke aus den letzten 40 Jahren vor dem ursprünglich vorgesehenen Sondermüll zu retten. Bei der diesjährigen Düsseldorfer Nacht der Museen wird es eine weitere Foto-Ausstellung geben: „Angela G. Schwursky präsentiert Kulturgut D.“ – bei der sich die Künstlerin mit dem in- wie auch materiellen Kunst- und Kulturgut-Habitus der Stadt Düsseldorf auseinandersetzt und einen bildhaften Blick von außen wagt.